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Ein weiteres Phänomen, das bei Sektengründern oder politischen Autoren universell ist: Sie schreiben ihre eigene Geschichte so, dass sie makellos erscheinen. Fehler werden retuschiert, Schwächen verschwiegen.
Der Quran jedoch bricht mit dieser Regel auf eklatante Weise. Er enthält Passagen, die den Propheten nicht nur korrigieren, sondern ihn öffentlich tadeln.
Das bekannteste Beispiel ist die 80. Sure (Abasa – „Er runzelte die Stirn“). Der Prophet war gerade in einem intensiven Gespräch mit der Elite von Mekka, in der Hoffnung, sie für den Islam zu gewinnen, als ein blinder, armer Mann ihn unterbrach, um eine Frage zu stellen. Aus menschlicher Ungeduld runzelte der Prophet die Stirn und wandte sich ab – eine Geste, die der Blinde nicht einmal sehen konnte.
Gott jedoch sah es. Und Er offenbarte Verse, die dieses Verhalten kritisierten und für alle Ewigkeit im Quran festhielten.
Warum sollte ein Mann, der den Quran angeblich selbst verfasst hat, Verse schreiben, die ihn selbst für eine kleine Unhöflichkeit tadeln, die sonst niemand bemerkt hätte? Warum sollte er seine eigene Fehlbarkeit dokumentieren und seine Anhänger anweisen, diese Kritik in jedem Gebet zu rezitieren?
Die Antwort ist simpel und zugleich entwaffnend: Er war nicht der Autor. Er war der Übermittler. Er hatte nicht die Autorität, die Botschaft zu filtern, selbst wenn sie ihm unangenehm war.
Bis zu seinem letzten Atemzug kämpfte er gegen jede Form der Überhöhung. Als ein Mann zitternd vor Ehrfurcht vor ihn trat, beruhigte er ihn sofort mit den Worten: „Beruhige dich! Ich bin kein König. Ich bin nur der Sohn einer Frau aus Quraysh, die getrocknetes Fleisch aß.“
Er verbot seinen Anhängern, aufzustehen, wenn er den Raum betrat, wie es bei den Königen Persiens und Roms üblich war. Er warnte sie eindringlich: „Übertreibt nicht mit mir, wie die Christen mit Jesus, dem Sohn der Maria, übertrieben haben. Ich bin nur Gottes Diener. So sagt: Diener Gottes und Sein Gesandter.“
Am Ende seines Lebens besaß der Mann, der Arabien vereint hatte, weniger privaten Besitz als der ärmste seiner Gefährten. Er hinterließ keine Paläste, keine Dynastie und kein gefülltes Schatzamt. Er hinterließ eine Botschaft, die den Menschen von der Anbetung der Diener zur Anbetung des Herrn der Diener führen sollte. Seine Integrität zeigte sich darin, dass er sich selbst aus dem Zentrum nahm, damit Gott den Platz einnehmen konnte.